Dupuytren & Diabetes - Keine guten Partner!

Dupuytren & Diabetes - Keine guten Partner!


Die Dupuytren-Kontraktur gilt als Autoimmunerkrankung. Hierbei kommt es zu einer narbigen Verhärtung der Sehnenplatte der Innenhand. Diese wird auch als Palmaraponeurose bezeichnet (siehe Foto). Schreitet die Erkrankung voran, so kann der Betroffene die Finger nicht mehr vollständig strecken. Schmerzen treten in der Regel nicht auf. Meist sind der kleine Finger und Ringfinger betroffen, seltener die anderen Finger bzw. der Daumen.




Die Dupuytren-Kontraktur wird durch unterschiedliche Vorerkrankungen und Lebensweisen in gewisser Weise „getriggert“. Neben Alkohol und Rauchen spielt auch Diabetes mellitus eine entscheidende Rolle.

Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, welche immer häufiger in der Gesellschaft anzutreffen ist. Hierbei sind die sogenannten Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse betroffen, welche nur noch unzureichend Insulin produzieren. Meist denkt man hierbei an ungesunde fett- und zuckerreiche Ernährung und Bewegungsmangel. Jedoch können auch anderen Dinge dahinterstecken, welche einen Diabetes mellitus begünstigen.

Das Screening auf Diabetes mellitus kann über den Nüchternblutzucker sowie über den Langzeitblutzucker HbA1c erfolgen. Mit dem zweiten Wert kann etwa 6-12 Wochen in die Vergangenheit geschaut werden, wie sich der Blutzuckerspiegel verhalten hat.

Diabetes mellitus durch Infektionen

Neben der Ernährung und Bewegung können vor allem auch virale Infektionen die Bauchspeicheldrüse angreifen und somit zu einem Insulinmangel führen.

Zu möglichen Viren bzw. Infektionen zählen:

• Röteln

• Mumps

• Influenza-Viren

• Rotaviren

• Hepatitis-Viren v.a. C

• Herpes-Viren z.B. Herpes simplex

• Varizella-Zoster-Viren

• Corona-Virus

• Epstein-Barr-Virus


Weiterhin ist interessant, dass bakterielle Infektionen des Mundraumes das Risiko für Diabetes mellitus drastisch erhöhen. Solche Infektionen zeigen sich meist als chronische Parodontitis.


Diabetes mellitus bedingt durch Bauchspeicheldrüsenunterfunktion

Häufig wird beobachtet, dass neben einem Insulinmangel (die Beta-Zellen betreffend) auch die äußere Funktion der Bauchspeicheldrüse betroffen ist. Hierbei werden zu wenig Enzyme produziert, welche für die Verdauung wichtig sind. Die Enzymleistung kann am einfachsten über einen Stuhltest erfolgen. Hierbei wird die sogenannte Pankreaselastase im Stuhl gemessen. Der Test kann in der Regel beim Hausarzt bzw. Heilpraktiker durchgeführt werden.

Neben den oben genannten Infektionen können auch andere Erkrankungen zu einem Enzymmangel führen. Diese sind z.B.:

• Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit, Eisen lagert sich in unterschiedlichen Organen an)

• Mukoviszidose

• Bauchspeicheldrüsenkrebs

• Bauchspeicheldrüsenentzündung durch Gallensteine, Alkoholmissbrauch, Überfunktion der Nebenschilddrüsen oder Zöliakie


Wichtig

Bei einem erhöhten HbA1c-Wert sollte auch immer die Pankreaselastase im Stuhl überprüft werden, um eine Störung der Enzymleistung auszuschließen. Umgekehrt gilt dies ebenfalls.


Diabetes mellitus bedingt durch Medikamente

Betablocker werden in der Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt. Als Nebenwirkung kann es zu Diabetes kommen. Dies ist dadurch zu begründen, dass diese Medikamente die Insulinwirkung hemmen sowie die Insulinausschüttung reduzieren.

Beta-Sympathomimetika werden meist zur Behandlung von Lungenerkrankungen eingesetzt, wobei es zu einer Entspannung der Muskulatur (Bronchodilatation) kommt. Die Medikamente werden nach Wirkdauer und Wirkeintritt unterschieden. Beispiele für solch Medikamente sind Salbutamol, Terbutalin, Formoterol oder Fenoterol. Neben Herzrhythmusstörungen, Tremor, Unruhe und Angina pectoris kann auch ein Diabetes mellitus die Folge sein. Bei der Einnahme kommt es zu einer vermehrten Insulinresistenz und damit zu einer „Überzuckerung“ im Gewebe.

Glukokortikoide wie das Cortison können ebenfalls zu einem Diabetes führen. Cortison kommt z.B. bei rheumatoider Arthritis, Asthma, Multiple Sklerose oder auch anderen Autoimmunerkrankungen zum Einsatz. Als stark entzündungshemmend gelten Betamethason, Dexamethason, als sehr stark entzündungshemmend Budesonid und Fluticason. Glukokortikoide steigern die Insulinresistenz und führen zu einer vermehrten Zuckerfreisetzung aus der Leber.

Auch eine Überdosierung mit Schilddrüsenhormonen bzw. eine Schilddrüsenüberfunktion kann eine Insulinresistenz begünstigen. Zum einen entsteht dies durch die zu hohe Gabe eines T4-Monopräparates (L-Thyroxin®, L-Thyrox®, Eferox®) bzw. T3-Monopräparates (Thybon®), zum anderen können auch Adenome der Schilddrüse bzw. eine Autoimmunerkrankung wie Morbus Basedow eine Überfunktion hervorrufen.

Am Ende sollen hier noch Cholesterinsenker bzw. Statine erwähnt werden. Diese zeigen durch die Einnahme ein mögliches Risiko für die Entwicklung eines Diabetes. Der Wirkmechanismus scheint noch nicht vollumfänglich geklärt zu sein.

Dupuytren und Diabetes mellitus

Wie bereits oben kurz beschrieben, kommt es unter Diabetes mellitus zu unterschiedlichen Beschwerden. Weiterhin ist problematisch, dass ein erhöhter Blutzuckerspiegel zu Schäden an kleinen Gefäßen führt. Es kommt zu einer Mikrozirkulationsstörung. Diese zeigt sich vorrangig in den Extremitäten, inneren Organen und Augen. Neben einer Polyneuropathie der Hände und Füße kann zusätzlich ein Sauerstoffmangel im Bereich der Palmaraponeurose entstehen. Dies wäre eine Erklärung dafür, warum ein Diabetes in einer Dupuytren-Kontraktur münden kann.

Fazit – Was gilt es bei Patienten zu beachten?

Nachfolgend fasse ich kurz zusammen, worauf bei Patienten mit Dupuytren-Kontraktur geachtet werden sollte. Dies kann ggf. dazu beitragen, die Erkrankung in ihrem Verlauf zu beeinflussen:

• Wird geraucht?

• Wird regelmäßig Alkohol konsumiert?

• Ist ein (Prä)Diabetes bekannt?

• Gab es in der Vergangenheit bekannte Virusinfektionen mit zum Teil chronischen Verläufen?

• Wurde bereits der Nüchternblutzucker und der Langzeitblutzucker HbA1c gemessen?

• Wurde schon in diesem Zusammenhang der Pankreaselastase-Wert im Stuhl ermittel?

• Liegt eine chronische Parodontitis vor?

• Liegen Gallensteine, Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit), Mukoviszidose oder eine Zöliakie vor?

• Werden Beta-Blocker, Beta-Symphatomimetika, Glukokortikoide wie Cortison, Schilddrüsentabletten wie L-Thyroxin® oder Statine eingenommen?


Werden die meisten Fragen mit JA beantwortet, so ist das Risiko für Dupuytren-Kontraktur möglicherweise erhöht bzw. der Verlauf der Erkrankung wird hierdurch beeinflusst.



Quellen

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Galli, R. et al.: Pankreaskarzinom. In: Therapeutische Umschau, 2021, 78: 605-613

Gattermann, N.: Therapie der sekundären Hämochromatose. In: Dtsch Arztebl Int, 2009, 106: 499-504

Kerner, W.: Pankreas-Diabetes: Häufig fehldiagnostiziert. In: Dtsch Arztebl, 2018, 115: 10

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Seufferlein, T. et al.: Leitlinienreport zur S3-Leitlinie Exokrines Pankreaskarzinom. In: Z Gastroenterol, 2022, 60: 288-391

Fathallah, N. et al.: Drug-induced hyperglycaemia and diabetes. In: Drug Saf, 2015, 38: 1153-1168

Mansi, I. A. et al.: Association of Statin Therapy Initiation With Diabetes Progression: A Retrospective Matched-Cohort Study. In: JAMA Intern Med, 2021, 181: 1562-1574

Oetzel, S.: Wenn Medikamente Diabetes auslösen: Wissenswertes rund um den Steroid-Diabetes. In: DAZ, 2021, 36: 34

Pharmazeutische Zeitung: Diabetespatienten: Vorsicht, Betablocker!

Tittel, S. R. et al.: Checkpoint-Inhibitor-Therapie als Auslöser für Autoimmun-Diabetes. In: Diabetologie und Stoffwechsel, 2021, 16: S4


Wichtiger Hinweis

Dieser und alle anderen Artikel des Blogs dienen nicht zur Selbstdiagnose und Selbstbehandlung. Zudem ersetzen diese keinen Besuch bei einem Arzt. Jegliche Anwendungen und Maßnahmen sollten zuvor immer mit Ihrem Arzt besprochen werden. Eine Haftung für Schäden und andere Nachteile ist ausgeschlossen.

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