Rheumatoide Arthritis vs. Arthrose

Rheumatoide Arthritis vs. Arthrose

Manchmal gibt es in der Praxis vielleicht Fragen wie: Könnten das Hinweise auf Rheumatoide Arthritis sein? Oder könnte es sich doch eher um eine arthrotische Veränderung handeln?

Dieser Artikel möchte einen Einblick geben, welche möglichen Hinweise sich hinter beiden Erkrankungen verbergen können. Zunächst werden beide Erkrankungen genauer beleuchtet. Am Ende findet sich eine Gegenüberstellung in Form einer Tabelle.

Wichtig

Der Artikel ersetzt keine ärztliche Diagnose, Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Therapieentscheidung.

Rheumatoide Arthritis (RA)

Bei der RA handelt es sich um eine entzündliche Autoimmunerkrankung. Hierbei kommt es zu einer Entgleisung des Immunsystems. Verschiedene Strukturen wie Knorpel und Bänder, aber auch innere Organe können betroffen sein.

Der Beginn kann schleichend, aber auch akut sein. Es ist zu beobachten, dass vor allem Frauen häufiger betroffen sind. Zudem spielen meist Hormonumschwünge wie Pubertät, Pilleneinnahme, Wechseljahre, Schwangerschaft, aber auch psychisch stark belastende Situationen und übermäßiger Stress eine wesentliche Rolle. Dies würde erklären, warum eine ausgeglichene Hormon-Balance oder auch Entspannungsverfahren, Yoga oder Meditation einen positiven Einfluss auf die Entstehung bzw. den Verlauf haben könnten.

RA kann bereits im Kindes- und Jugendalter beginnen oder auch erst später im Lebensverlauf. Kommt es frühzeitig zu einer RA, spielen meist andere Faktoren wie die Genetik, der Schwangerschaftsverlauf und die Gesundheit der Mutter während der Schwangerschaft eine wesentliche Rolle.

Die Gelenke sind in der Regel beidseitig und symmetrisch betroffen. Der Beginn ist meist an den kleinen Gelenken wie Finger- oder auch Handgelenk. Typisch ist die morgendliche Fingersteifigkeit. Diese hält häufig ungewöhnlich lang an und kann mehr als 30-60 Minuten betragen. Patienten schildern, dass sie nach dem Aufstehen überaus lange brauchen, um die Finger „in Gang“ zu bekommen. Schmerzen treten vor allem nachts und in Ruhe auf. Die Gelenke zeigen sich „teigig“ geschwollen und können auch warm sein. Zudem schildern Patienten sehr häufig Kraftverlust. Ihnen fällt es schwer, eine Tasse zu greifen oder Besteck zu halten.

Neben den eben geschilderten Symptomen kann es auch zu unspezifischen Allgemeinsymptomen kommen. Hierzu zählen Müdigkeit, Abgeschlagenheit und leicht erhöhte Körpertemperatur. Die Patienten fühlen sich schwach und schlapp, auch wenn sie ausreichend geschlafen haben. Zudem überkommt sie häufig eine Müdigkeit, die sich über den ganzen Tag ziehen kann. Daneben kann es zu sogenannten subfebrilen Temperaturen kommen. Die Betroffenen zeigen kein „richtiges“ Fieber, jedoch leicht erhöhte Temperatur über mehrere Tage und Wochen. Zudem kommt es meist auch zu Nachtschweiß.

Ist eine RA diagnostiziert worden, sind häufig entzündungshemmende Medikamente wie Prednison bzw. Prednisolon erforderlich, um Entzündungsprozesse schnell in den Griff zu bekommen. RA kann schubweise verlaufen, sich bei einer entsprechenden Behandlung aber auch länger in Remission (vorübergehende Reduktion der Beschwerden) befinden. Beim Röntgen sind Auffälligkeiten meist nicht sichtbar. Deshalb ist es wichtig, die geschilderten Beschwerden des Patienten ernst zu nehmen.

Bei Blutwerten können häufig schon Auffälligkeiten auch in Anfangsstadien entdeckt werden. Hierzu zählen die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG), der Entzündungswert C-reaktives Protein (CRP) oder auch Autoantikörper (CCP-AK). Der Rheumafaktor-Wert selbst gilt als eher ungenau, da dieser Wert auch bei anderen Erkrankungen, Entzündungen oder Infektionen ansteigt.

Arthrose

Arthrose wird auch meist als „Gelenkverschleiß“ bezeichnet. Bei arthrotischen Veränderungen kommt es zu einem Abrieb von Knorpelgewebe. Bis zu einem bestimmten Stadium ist dies reversibel d.h. rückgängig zu machen. Ist der Knorpel vollständig zerstört, ist keine Regeneration mehr möglich. Die Arthrose kann verschiedene Ursachen haben und z.B. durch Überlastung, Fehlbelastung, aber auch durch Bewegungsmangel oder einen Mangel an Mikronährstoffen entstehen.

Die Arthrose beginnt oft schleichend und über mehrere Jahre. Die Betroffenen spüren im „Alter“ die Beschwerden.

Die Gelenke sind in der Regel einseitig und nicht symmetrisch betroffen. Der Beginn ist meist an den großen Gelenken wie Knie oder Hüfte. Ausnahmen bilden hier Fingerverdickungen an den Mittel- und Endgelenken. Diese werden als Bouchard- bzw. Heberden-Arthrose bezeichnet. Typisch ist ebenfalls eine morgendliche Fingersteifigkeit. Diese hält häufig bis zu 30 Minuten an. Patienten schildern, dass sie nach dem Aufstehen etwas Zeit brauchen, um die Finger „in Gang“ zu bekommen. Schmerzen treten vor allem bei Belastung auf. In Ruhe werden die Beschwerden häufig besser. Außerdem kann es bei Belastung auch zu Knirsch- und Reibegeräuschen kommen. Die Gelenke zeigen Verhärtungen und knöcherne „Wucherungen“ und sind in der Regel nicht warm. Kommt es jedoch zu einer aktivierten Arthrose (Arthritis) durch starke Überlastung, dann kann sich das Gelenk zudem überwärmt und rot zeigen.

Anders als bei RA zeigen Betroffene mit Arthrose in der Regel keine allgemeinen Begleitsymptome. Auch der Kraftverlust zeigt sich, anders als bei RA, meist sehr spät im Verlauf. Beim Röntgen werden Auffälligkeiten sichtbar. Die Blutwerte zeigen in der Regel keine Auffälligkeiten. Jedoch kann es bei einer aktivierten Arthrose bzw. Arthritis zu einem erhöhten Entzündungswert (CRP, C-reaktives Protein) kommen.

Nachfolgend findest du eine Tabelle mit einer Gegenüberstellung von RA und Arthrose.

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Quellen

(1) Bierbach E. 2019. Naturheilpraxis heute. Lehrbuch und Atlas. 6. Auflage. München: Urban & Fischer Verlag

(2) Irnich, D. 2009. Leitfaden Triggerpunkte. München: Urban & Fischer Verlag

(3) Schünke M, Schulte E, Schumacher U. 2018. Prometheus Allgemeine Anatomie und Bewegungsapparat. Lernatlas der Anatomie. 5. Auflage. Stuttgart: Thieme Verlag



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