Polypen im Darm - Ursachen, Diagnostik und mögliche Behandlung

Polypen im Darm – Ursachen, Diagnostik und mögliche Behandlungen

Polypen sind veränderte Schleimhautstrukturen, die in den Darm- bzw. Nasenraum hineinragen. Sie können sich flach oder auch stilartig zeigen. Polypen im Darm finden sich am häufigsten im Dickdarm und im Enddarm (Rektum). Entwickeln sich Darmpolypen aus Drüsengewebe, dann spricht man von Adenomen. Bei einer Entwicklung aus Fettgewebe wird von einem Lipom gesprochen. Kommt es zu Entartungen von Polypen, dann kann hieraus Darmkrebs entstehen. Eine Entartung findet erfahrungsgemäß etwa 10-15 Jahre vor der Diagnose Krebs statt.

Wichtig

Meist bestehen bei Polypen keine Beschwerden. Erst wenn Polypen größer werden bzw. sich zu bösartigen Tumoren entwickeln, dann kommen diffuse Verdauungsbeschwerden hinzu. Selten können Polypen auch bluten. Dies ist über Stuhltests nachweisbar (siehe auch weiter unten).

Neben der Entstehung aufgrund von Ernährung, Umwelteinflüssen, Übergewicht oder Bewegungsmangel können Polypen auch durch genetische Vorbelastungen entstehen. Diese sind selten, können jedoch das Risiko für späteren Darmkrebs drastisch erhöhen. Beispiele hierfür sind die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) oder die MUTYH-assoziierte Polyposis (MAP) und viele weitere.

Aufnahmegespräch ist wichtig

Das Aufnahmegespräch beim Arzt ist wichtig, um mögliche Beschwerden richtig einzuordnen. Hierzu gehören Stuhlunregelmäßigkeiten wie wechselnde Stühle, Bauchbeschwerden, Blut im Stuhl oder auffälliger Gewichtsverlust sowie Hinweise in der Familie auf mögliche Erkrankungen.

Bei möglichen Auffälligkeiten kann zu einer Darmspiegelung geraten werden. Sind Polypen sichtbar, werden diese während der Untersuchung entfernt und im Anschluss feingeweblich untersucht. Die häufigste Form ist das tubuläre Adenom (gestielter Polyp). Das Entartungsrisiko liegt hier bei etwa vier Prozent. Als selten (5-10 %) gilt das villöse Adenom. Dieses wächst breitbasig und flach (siehe auch Foto). Das Entartungsrisiko liegt bei fünfzig Prozent. Etwa ein Viertel der Adenome sind Mischformen (tubulovillöses Adenom).

Neben einer Darmspiegelung ist es auch möglich, ein CT bzw. MRT anfertigen zu lassen. Hierbei können meist jedoch nicht alle Polypen ausfindig gemacht werden. Weiterhin kommt in einigen Fällen die Videokapsel zum Einsatz. Dabei schluckt der Patient eine Kapsel, welche Aufnahmen vom Darm macht. Diese Untersuchung ist sehr teuer und zeitaufwändig und nur bei bestimmten Personengruppen indiziert.

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Stuhltestungen als Alternative?

iFOPT und ColoAlert®

Aktuell wird der immunologische Stuhltest (iFOPT) als Vorsorge empfohlen. Hierbei kann untersucht werden, ob sich verstecktes (okkultes) Blut im Stuhl befindet. Da Darmtumore häufiger bluten, kann der Test ein wichtiger Marker sein. Der frühere Hämoccult-Test reagierte auch auf tierisches Blut und bestimmte Pflanzenfasern, weshalb dieser durch den iFOPT ersetzt wurde. Der Test ist eine Kassenleistung und kann als Patient ab dem 50.Lebensjahr beim Arzt erfragt werden.

Wichtig

Der Nachweis von Blut im Stuhl kann auch andere Ursachen haben. Hierzu zählen: Darmentzündungen, Hämorrhoiden oder Darmpolypen.

Auch wenn sich der Test negativ zeigt und kein Blut nachweisbar ist, ist nicht immer Darmkrebs auszuschließen. Auch verschiedene Medikamente können falsch-negative bzw. falsch-positive Befunde anzeigen. Hierzu zählen z.B. Schmerzmittel, Magensäurehemmer oder Blutgerinnungsmittel.

Seit einigen Jahren gibt es einen neuartigen Test auf dem Markt. Dieser heißt ColoAlert®. Hierbei handelt es sich um einen DNA-basierten Test. Dies ist ein Stuhltest, welcher ohne Probleme Zuhause durchgeführt werden kann. Dieser Test ist nicht für Patienten geeignet, welche an chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, FAP (familiärer adenomatöser Polyposis) bzw. HNPCC (hereditäres nichtpolypöses Karzinom) leiden.

Laut Untersuchungen gibt es zwischen dem iFOPT, dem ColoAlert® und der Darmspiegelung Unterschiede in der Sensitivität und Spezifität. Die Sensitivität gibt an, wie viele Patienten auch wirklich als „krank“ identifiziert werden. Die Spezifität sagt aus, wie viele gesunde Patienten auch wirklich als „gesund“ erkannt werden.

Beim iFOPT liegt die Sensitivität bei 63-69 %, beim ColoAlert® bei 85-90 %, bei der Darmspiegelung bei etwa 95 %. Beim iFOPT liegt die Spezifität bei 97 %, beim ColoAlert® bei 92-95 % und bei der Darmspiegelung bei 100 %. Der iFOPT-Test kann bzw. sollte alle 1-2 Jahre, der ColoAlert® alle 3 Jahre und die Darmspiegelung alle 10 Jahre ab einem Alter von 55 Jahren bei Frauen und 50 Jahren bei Männern durchgeführt werden. Die Stuhltestungen sind auch für Selbstzahler bzw. als Patienten-Tests für Zuhause verfügbar.

Der ColoAlert® ist unter den Testungen der einzige, welche auch eine veränderte DNA (KRAS-, BRAF-, hDNA-Mutationen) erkennt (1,2).

Darmspiegelung als Nonplusultra?

Die Darmspiegelung gilt basierend auf den Werten von Spezifität und Sensitivität als sehr genau. In den Jahren wurde jedoch immer wieder untersucht, ob es einen Unterschied zwischen vorbelasteten Patienten, nicht belasteten Patienten, der Untersuchungszeit und der Erfahrung des Arztes gibt.

Beispielsweise wurden in einer Analyse mit 300.000 Patienten Darmspiegelungen mit hoher bzw. niedriger Qualität miteinander verglichen. Dabei zeigte sich, dass zwar eine Spiegelung mit niedriger Qualität vor Darmkrebs schützen kann, jedoch Spiegelungen mit hoher Qualität zu einem Drittel bessere Ergebnisse lieferten (3). Weiterhin beschäftigte sich eine Veröffentlichung von Herrn Phlipsen der Technischen Universität München mit der Länge der Darmspiegelung (Detektionszeit) und den Effekten. Hierbei zeigte sich beispielsweise, dass bei einer Spiegelung unter einer Minute die Detektionsrate (auffinden von Auffälligkeiten) bei 6,7 %, bei etwa vier Minuten bei 22,1 %, bei etwa sieben Minuten bei 29,6 % und bei über acht Minuten bei 43,3 % lag. Somit gilt eine Spiegelung von mindestens vier Minuten als maßgeblich (4).

Calprotectin als wichtiger Zusatzmarker

Neben dem ColoAlert®-Test ist es sinnvoll, auch den Calprotectin-Wert zu bestimmen.

Calprotectin ist ein Eiweiß und zählt zu den sogenannten Alarminen. Kommt es im Darm zu einer Zellschädigung, dann wird das Eiweiß freigesetzt (5). Calprotectin kann im Stuhl untersucht werden. Ist der Wert erhöht, ist von einer Schädigung der Darmschleimhaut auszugehen. Je höher der Wert ist, desto gravierender ist die Schädigung. Bei erhöhten Werten wird immer direkt zu einer Darmspiegelung geraten, um chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und Krebs auszuschließen. Die Sensitivität beträgt 93 %, die Spezifität 96 %. Der Marker gilt somit als sehr zuverlässig (6).

Wichtig

Bakterielle und virale Infektionen des Magen-Darm-Traktes sowie einige Medikamente wie Aspirin, Ibuprofen, Diclofenac und COX-2-Hemmer führen zu erhöhten Calprotectin-Werten (7). Dies ist bei einer Testung immer zu beachten. Die Medikamente sollten, wenn möglich, etwa 14 Tage vor einer Testung abgesetzt werden.

Ernährung bei Polypen

Polypen gelten als „Vorstufe“ von späteren möglichen Krebserkrankungen. Eine ungünstige Ernährung kann die Polypen-Bildung begünstigen. Hierzu zählen viele tierische Fette, Fleisch- und Wurstwaren, Süßigkeiten, Milchprodukte, Softdrinks, einfache Kohlenhydrate wie Weizenmehle und Alkohol. Deshalb ist es wichtig, auf eine antientzündliche und ballaststoffreiche Ernährung zu achten.


Nachfolgend sind wichtige Punkte aufgeführt:


  • ausreichend trinken v.a. stilles Wasser oder ungesüßten Tee
  • grüner Tee gilt als starkes Antioxidans, hier können täglich 2-3 Tassen getrunken werden
  • Ingwer zeigt eine antientzündliche Wirkung, hier können für 1 Tasse Tee 2-3 Scheiben Ingwer mit heißem Wasser aufgegossen werden
  • Kurkuma als Würzmittel im Essen bzw. als „Goldene Milch“ (siehe weiter unten für das Rezept)
  • 30-45 Gramm Ballaststoffe pro Tag z.B. enthalten in Haferflocken, Vollkornprodukten, Flohsamenschalen, Leinsamen, Chiasamen
  • Bitterschokolade mit einem Kakaoanteil von mindestens 70 %, statt Vollmilchschokolade
  • ausreichend Antioxidanzien zu sich nehmen wie grünes Blattgemüse (Spinat, Mangold, Grünkohl)
  • ausreichend Omega-3-Fettsäuren zu sich nehmen, v.a. enthalten in Leinöl und Leinsamen, Walnussöl, Hanföl sowie Hering, Lachs oder Makrele
  • genügend Polyphenole zu sich nehmen, v.a. enthalten in Trauben, Beeren, grünem Tee, Kräutern und Gewürzen

Einfaches Rezept für „Goldene Milch“

Die goldene Milch wirkt wärmend und durchblutungsfördernd und durch den Anteil an Gewürzen und Kurkuma entzündungshemmend.

Gebe alle nachfolgenden Zutaten in einen losen Teebeutel:

  • 2 Scheiben frischer Ingwer
  • ½ TL Kardamonpulver
  • 1 TL Kurkumapulver
  • 5 Pfefferkörner, schwarz

Nun fülle etwa 350 ml Hafer-, Mandel-, Erbsen- oder Sojamilch in einem kleinen Topf. Gebe den bestückten Teebeutel in den Topf. Fixiere ihn am besten am Topfrand mit einer Wäscheklammer, damit er nicht in den Topf rutscht. Nun lasse den Teebeutel etwa 15-20 min in der Flüssigkeit ziehen. 

Die Flüssigkeit sollte nicht kochen, sondern nur erwärmt werden. Nach dieser Zeit entfernst du den Teebeutel und füllst die Flüssigkeit in ein Glas. Bei Bedarf kannst du deine goldene Milch mit Honig süßen.


Quellen

(1) Biovis Labor (abgerufen März 2025). https://www.biovis.eu/wp-content/uploads/biovis-ColoAlert-DE.pdf

(2) ColoAlert® (abgerufen März 2025). https://www.europeanoncologylab.com/pages/coloalert-fur-fachkreise

(3) Bips-Institut (abgerufen März 2025). https://www.bips-institut.de/medien/presse/einzelansicht/darmkrebs-trotz-darmspiegelung-deutliche-unterschiede-je-nach-qualitaet-der-untersuchung.html

(4) Phlipsen, HP. (2018). Der Einfluss von abschnittsspezifischen Beobachtungszeiten auf die Detektionsrate von adenomatösen Polypen im rechten und linken Kolon. Technische Universität München. https://mediatum.ub.tum.de/doc/1452507/1452507.pdf

(5) Chan, J.K. et al. (2012) Alarmins: awaiting a clinical response. The journal of clinical investigation 122(8):2711–2719.

(6) Schoepfer, A.M. et al. (2010) Fecal calprotectin correlates more closely with the simple endoscopic score for Crohn's disease (SES-CD) than CRP, blood leukocytes, and the CDAI. The american journal of gastroenterology 105(1):162–169.

(7) Rendek, Z. et al. (2016) Effect of oral diclofenac intake on faecal calprotectin. Scandinavian journal of gastroenterology 51(1):28–32.


Wichtiger Hinweis

Dieser und alle anderen Artikel des Blogs dienen nicht zur Selbstdiagnose und Selbstbehandlung. Zudem ersetzen diese keinen Besuch bei einem Arzt. Jegliche Anwendungen und Maßnahmen sollten zuvor immer mit Ihrem Arzt besprochen werden. Eine Haftung für Schäden und andere Nachteile ist ausgeschlossen.

Alle Bilder sind urheberrechtlich geschützt (Bianca Peters®).


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