Karpaltunnelsyndrom frühzeitig erkennen - 3 wichtige Warnsignale
Das Karpaltunnelsyndrom stellt ein sehr häufiges Nervenkompressionssyndrom der Hand dar. Nachfolgend erfährst du, welche drei wichtigen Warnsignale es geben kann.
Wichtig zu wissen
Auch wenn die beschriebenen Beschwerden auftreten, ersetzt dies keine ärztliche Diagnose. Hinter den Beschwerden können sich manchmal auch andere Erkrankungen verbergen. Deshalb wichtig: Immer ärztlich abklären lassen.
Warnsignal Nr. 1 Die Schwurhand
Bei einem Karpaltunnelsyndrom kommt es zu Sensibilitätsstörungen in den ersten drei Fingern sowie teilweise im Ringfinger. Hierbei spricht man von einer Schwurhand (siehe erste Abbildung).
Doch warum sind genau die drei und nicht die anderen Finger betroffen? Beim Karpaltunnelsyndrom kommt es zu einer Kompression des Nervus medianus. Genau dieser Nerv versorgt hauptsächlich die Hand innenseitig (nicht den Handrücken) und verläuft im Bereich des Daumens, Zeige-, Mittel- und teilweise Ringfingers.
In der zweiten Abbildung siehst du den Verlauf des Nervus medianus an der Hand. In den unteren beiden Abbildungen ist die Innervation (Versorgung) der Hand dargestellt.
Wichtig
Sind beispielsweise statt der drei alle fünf Finger betroffen, dann stecken meist andere Erkrankungen dahinter. Beispielsweise führt eine Polyneuropathie zu einem pelzigen Gefühl. Die Sensibilitätsstörungen führen meist bis zum Handgelenk und werden häufig als „Handschuhgefühl“ beschrieben.
Auch Beschwerden der Halswirbelsäule können eine Rolle spielen. Hier kommt es meist zu Taubheit oder Kribbeln bis in den Unterarm. Sind nur der Ringfinger und der kleine Finger betroffen, dann kann ein sogenanntes Ulnaris-Syndrom dahinterstecken. In selteneren Fällen ist es auch möglich, dass sowohl der Neruvs medianus als auch der Nervus ulnaris zeitgleich betroffen sind.
Warnsignal Nr. 2 Nächtliche Schmerzen
Häufig sind bei Menschen mit einem Karpaltunnelsyndrom nächtliche Schmerzen in der Hand typisch. Die Betroffenen werden meist durch die Schmerzen wach und versuchen die Hand „auszuschütteln“, was in der Regel zu einer Linderung führt. Auch das Kühlen der Hand unter einem Wasserstrahl lässt die Sensibilitätsstörungen zunächst besser werden.
Doch wie kommt es zu nächtlichen Schmerzen?
Am Tage ist die Hand in Bewegung, was die Durchblutung und den Lymphfluss unterstützt. In der Nacht kann es durch einen „Wärmestau“ unter der Bettdecke und einer verminderten Bewegung zu einem schlechteren Lymphabfluss kommen. Zudem erweitern sich die Gefäße, was eine Kompression begünstigen kann. Auch ein mögliches unbewusstes Abknicken des Handgelenks in Beugung oder Streckung kann eine Kompression verstärken.
Interessant zu wissen
Einige Betroffene bekommen als konservative Maßnahme eine Nachtschiene verschrieben. Diese soll die Beschwerden in der Nacht lindern. Patienten mit einer ungünstigen Haltung des Handgelenks in der Nacht profitieren meist davon, dass die Beschwerden innerhalb weniger Tage besser werden.
Patienten mit dem Problem eines verminderten Lymphabflusses merken in der Regel kaum eine Besserung. In solchen Fällen kann ein Lymphtape sinnvoll sein. Hier findest du eins meiner Videos dazu. Dort zeige ich dir, wie solch ein „Lymph-Karpaltunnel-Tape“ angelegt werden kann.
Warnsignal Nr. 3 Kraftverlust und Schwäche
Der Nervus medianus ist ein sogenannter gemischt motorischer und sensibler Nerv. Dies erklärt, warum die Kompression zu motorischen und sensiblen Ausfällen führt. Motorisch heißt in diesem Falle Kraftverlust und muskuläre Schwäche. Meist fällt den Betroffenen auf, dass sie etwas greifen und Dinge dann wie „aus Reflex“ fallen lassen. Sie beschreiben häufig einen einschießenden Schmerz in die Hand wie auch eine fehlende Kontrolle über ihre Kraft.
Der Nervus medianus versorgt neben verschiedenen Muskeln (v.a. Flexoren und Pronatoren) auch die Daumenmuskulatur (M. abductor und flexor pollicis brevis, M. opponens pollicis). Dies erklärt, warum es bei einem fortgeschrittenen Karpaltunnelsyndrom auch zu einem Abbau des Daumenballens kommt.
Fazit: Was ist zu tun?
Wenn mehrere der beschriebenen Warnsignale zutreffen, dann kann es sich möglicherweise um ein Karpaltunnelsyndrom handeln. Hierbei ist es jedoch wichtig, dass dies immer ärztlich abgeklärt wird.
Wird ein Karpaltunnelsyndrom in einem frühen Stadium diagnostiziert, kann dies meist zunächst gut konservativ behandelt werden.
Quellen
(1) Bierbach E. 2019. Naturheilpraxis heute. Lehrbuch und Atlas. 6. Auflage. München: Urban & Fischer Verlag
(2) Peters B (2019). Taping für Heilpraktiker. Thieme Verlag
(3) Platzer W (1999) DTV-Atlas Anatomie. Band 1. Bewegungsapparat. Thieme Verlag
(4) Schünke et al. (2007). Prometheus. Lernatlas der Anatomie. Thieme Verlag
(5) Waldner-Nilsson B (2008). Handrehabilitation. Für Ergo- und Physiotherapeuten. Band 1. Grundlagen Erkrankungen. Springer Verlag
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